Aktuell

10.06.2011

Das Weingut Heinrich Gies und Sohn geht an die Vier Jahreszeiten Winzer

Es wird als völlig eigenständiger Betrieb weitergeführt!

DIE RHEINPFALZ schreibt am 7.6.2011

Das Weingut Heinrich Gies und Sohn in Bad Dürkheim wird von der Vier Jahreszeiten Winzer eG (VJW) übernommen, jedoch als völlig eigenständiger Betrieb weitergeführt. Auch der Name bleibt erhalten, die Produktion wird allerdings komplett nach Friedelsheim in die frühere Winzergenossenschaft umgesiedelt. Am Stammsitz in der Weinstraße Süd zurück bleibt die Küferei von Michael Gies, die mittlerweile zu den Marktführern bundesweit zählt.Dass er den Weinbauzweig des 1861 gegründeten Familienbetriebs, den er in fünfter Generation führte, aufgrund der hohen Auslastrung seines Holzbetriebs in andere Hände legen werde, hatte Michael Gies der RHEINPFALZ bereits vor gut zwei Wochen auf Nachfrage hin bestätigt. Da zu diesem Zeitpunkt die seit Oktober laufenden Verhandlungen mit dem VJW-Vorstand noch nicht restlos abgeschlossen waren, hatte sich Gies jedoch an das vereinbarte Stillschweigen gehalten (wir berichteten am 21. Mai). Inzwischen sind die Verträge unterschrieben, wie Kurt Freund, Vorstandsvorsitzender der VJW, und deren Geschäftsführer Walter Brahner gestern im Gespräch mit der RHEINPFALZ erläuterten.

Demnach pachtet die Dürkheimer Genossenschaft die etwa sieben Hektar eigene und seinerseits gepachtete Weinberge von Gies und erwirbt die Namensrechte an dessen Weinbausparte. Die Rebfläche soll nach Brahners Worten aus eigenem Bestand der VJW zunächst auf rund zehn Hektar aufgestockt werden. Das Weingut Heinrich Gies und Sohn bleibe „ein völlig autarker Betrieb mit eigener Betriesbsnummer”, lediglich ausgelagert nach Friedelsheim, wo die komplette Technik zur Verfügung steht. „Das ist das Charmante an der Lösung: Dort ist ein voll funktionsfähiges Weingut vorhanden. Wir brauchen nur den Schlüssel umzudrehen und los geht's”, sagte Brahner, der zudem von einer sogenannten „Win-Win-Situation” für beide Seiten spricht: Gies könne seine Weinberge („zur marktüblichen Pacht”) veräußern und erhalte daheim den nötigen Platz fürs Fassbauen. Die Vier Jahreszeiten erwerben gegen eine „überschaubare Summe” die Nutzung des Namens und damit die Möglichkeit, das Angebot an den Markt über eine weitere Vertriebsschiene abzurunden. Zielgruppe ist der ausgesucht gehobene Fachhandel bundesweit, der Genossenschaftsweinen aller Erfahrung nach eher skeptisch gegenübersteht, wie auch die „Vier Jahreszeiten” in der Vergangenheit haben feststellen müssen. „Von unserer Qualität sind die meisten überzeugt, sagen uns aber, dass der Name wenig verkaufsträchtig ist”, so Kurt Freund. Daher sei man schon seit etwa 15 Jahren auf der Suche nach einem adäquaten Privatweingut, verriet Brahner, der von einem „Lückenschluss” im Vertrieb sprach. „Wir wären dann überall vertreten außer im Diskount. Und da wollen wir auch gar nicht hin.” (psp)

Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ